Vereinsausflug der LLG St. Augustin 2009 (27.09.2009)
Besuch im Schulmuseum Katterbach sowie im Altenberger Dom

Fotos: Fotos in der Bildergalerie

Berichte: Besuch im Schulmuseum | Schulmuseum Katterbach | Mittagessen | Besichtigung Klostergelände | Brauhaus

 

Der Vereinsausflug 2009 konnte diesmal leider nicht, wie in den vergangenen Jahren, durch unseren bewährten Veranstaltungswart Konrad Waßmann organisiert werden, da er für ein paar Jahre beruflich bedingt in die USA gezogen ist. Deshalb nahm sich Birgit Lennartz der Sache an und organisierte alles mit gleichem Einsatz und gleicher Gründlichkeit.

Folgendes Programm war für unseren diesjährigen Ausflug geplant:

10.30 Uhr Historische Schulstunde mit anschließender Museumsführung im Schulmuseum Bergisch Gladbach Katterbach (ca. 40 Km von hier entfernt) - Dauer insgesamt ca. 2,5 Stunden

13-14.30 Uhr Stärkung im Hotel-Restaurant Wißkirchen, Am Rösberg 2, Odenthal-Altenberg, direkt vor dem Altenberger Dom Gelände.

15.00 Uhr Führung über das Klostergelände rund um den Altenberger Dom (Lapidarien, Kräutergarten, Küchenhof)

ab 18:00 Uhr Anschließendes Treffen in der Gaststätte "Auf der Arken" in Siegburg für die ganz Unermüdlichen

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Besuch im Schulmuseum Katterbach (Bergisch Gladbach) (Bericht von Dierk Vollmer):

Uns eine verstaubte alte Schule anzusehen, was soll das. So dachten wohl einige und ich gehörte auch zu denen. Doch wie interessant und unterhaltsam ein solcher Besuch sein kann wurde uns in dem mit unzähligen Gegenständen aus der Zeit von 1871 bis 1990 ausgestatteten Schulmuseum in Katterbach bewiesen. Ein pensionierter Lehrer führte uns ´Schüler´ in einem alten, original eingerichteten Klassenzimmer humorvoll durch den Schulalltag vergangener Zeiten. So brav waren LLGer wohl noch nie anzutreffen! Einige werden ihren Namen wohl in Zukunft in der altdeutschen Schrift Sütterlin schreiben, wie ihre Schreibübung bewies.

Anschließend wurden uns Lern- und Arbeitsmittel für den Deutsch-, Rechen- und Sachkundeunterricht an Volksschulen in weiteren Räumen des Museums gezeigt. Die Ausbildung und der Alltag der Lehrer und Lehrerinnen sowie die Schulerziehung der Mädchen um 1900 durfte dabei auch nicht fehlen.

Alles in allem ein kurzweiliger Besuch, der sich wohl für alle gelohnt hat.

 

Schulmuseum Katterbach (Bericht von Udo Lohrengel):

„Historischer Unterricht“: Hauptdarsteller und Bühne Die Schulglocke hatte geläutet, wir saßen in den Bänken, der Lehrer hatte sich und den Zeigestock bereits erhoben, aber der Platz von Karin war noch leer. Und dann sahen wir sie, durch die niedrigen Fenster, gestikulierend und der Lehrer schritt, nach draußen und zur Tat und wir erwarteten das Unausweichliche, eine Rede an die Klasse über Pünktlichkeit und den ganzen Katalog an Tugenden, die dann mittels Stock auf dem Rücken „niedergeschrieben“ werden sollten.
Aber – die Welt drehte sich an diesem Tag anders. Karin, eingeschüchtert in weißer Schürze vor der Klasse stehend, bekam nicht das Fell gegerbt, sie bekam nach kurzer Ansprache ein Fleißkärtchen. Vorweg genommen sollte es das einzige sein, was der Lehrer in unserer Schulstunde bereit war herauszurücken, obwohl, und da bin ich einer Meinung mit 3 bis 2 anderen, hätten es die Ingrid und mit Abstrichen der Frank und Klaus auch sein können.

Was hatte den gestrengen Rechen-Lesen-Schreiben-Meister zu einer solchen Umstimmung gebracht. Nun, Karin kam zu spät, weil sie noch vor der Schule die kranke Mutter gepflegt hatte!

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, erteilte er uns Nachhilfe in und für alle Lebenslagen, zumindest für den Schulbetrieb vor 100 Jahren.

Der erbot sich eindringlich, das Wohl und Wehe in täglich gleichlautenden Dosen einzutrichtern und mit dem Sitzen fing es an.

Mit geradem Rücken und die Pfötchen gefaltet auf dem Tisch sowie wachen Blickes für den Pauker und das von ihm Vollführte oder Vorgetragene.

Lehrer wurden seinerzeit viele, oft anderweitig schwer vermittelbare und wenn es Frauen wagten, diesen Beruf zu ergreifen, dann mussten es Mädchen, also Jungfern bleiben, da es sonst nach Abgang aus dem Schuldienst aussah.

Eine derart verschrobene Ansicht kann nur zu Einsichten führen, die seinerzeit für Irrungen und Wirrungen in allen Lebenslagen gut war.

Dann erbot sich der Herr Lehrer, das Fragen und Antworten mit uns zu trainieren. Hand heben, nicht zu hoch, aufstehen, reden, Rede mit Herr Lehrer beenden, setzen. In diesem Stil hatten doch so einige unter uns ihre Probleme und während man sie sonst als Suchende und Fragende kennt, waren sie derart verschlossen, dass man quasi Angst haben musste. Gut, aus den engen Bänken kam nicht ein jeder nach oben, was den Fragebedarf ebenfalls reduzierte.

„Historischer Unterricht“: Hauptdarsteller und Bühne Alles, was der Klassenraum beherbergte kam irgendwie zur Sprache mit allerlei Erklärungen, die meist in Gelächter mündeten oder auch Nachdenklichkeit hervorriefen. Eine alte Dame jenseits 80 nickte, Karl und Ingrid in den 40er Jahren in der Grundschule zuckten mit den Augenbrauen und Dierk und Herbert waren angetan, da sie Parallelen zu ihrer Grundschulzeit entdeckten.

Namen derer, die fast alles normal fanden, was und wie sich der Lehrer gebärdete, möchte ich hier nicht erwähnen, da ansonsten die anderen Hälften sich vielleicht befleißigt fühlen, den rechten Weg für sich in Anspruch zu nehmen oder noch eine Schüppe für den täglichen Gebrauch und Umgang zulegen.

Wir wandten uns dem hängenden Kartenmaterial zu und erfuhren so manches über den regio- und überregionalen Horizont der Kinder und somit der Gesellschaft. Es war in der Tat so oder so, aber es erschlossen sich so doch so manche noch heute verbreitete Denkweisen – nicht nur in politischen Parteien, Verbänden, Kirchen, Institutionen – hoch interessant!

Zwischendurch machte eine Petroleumkanne die Runde und allgemein wurde nach einem Kopflausfetischisten gesucht, aber es fand sich keiner. Kopfläuse wurden seinerzeit mittels Petroleumtaufe vom Leben zum Tode befördert, aber nicht so nachhaltig, wie die Puder unserer Tage und deswegen war es ein beliebtes Prozedere unter den Kindern.

Oder, was auch prägenden Charakter hatte und noch im rheinischen Liedgut fest verwurzelt ist, dä Willi Ostermann (1876-1936), der komponierte im Jahre 1910 sein Lied "Villa Billa" und machte damit Poppelsdorf weit über die Grenzen Bonns bekannt. Und dat kam esu:

Der Herr Kaiser, genannt Wilhelm II, schickte Sohn 1 nach Bonn, damit er sich bilden ließe. Der, angetan vom hierzulande den Tag versüßenden weiblichen Geschlecht, dieser ihr nachstellte und verführte und schwängerte und ward abgefunden zum Verzicht und Schweigen und da sang man:

Jetz hät dat Schmitzen Billa
En Poppelsdorf en Villa,
Et hät en eigen Huhs, et Bill eß fein eruhs! 
Jetz hät dat Schmitzen Billa

Überhaupt bekamen wir Nachhilfe in die Zeit, wo Kaiser, das Nonplusultra neben Kirche und Staat die Geschicke eindringlich bestimmte und anordnete, was richtig und falsch war. Aber, es kam wie einige vermutet hatten und fernblieben, das, was so manchen auch im späteren Leben noch arge Kopfzerbrechen bereiten sollte, bereitet hat:

Schreiben – Lesen – Rechnen!!

Zunächst wurde uns klar, dass das, was wir heute schreiben, damals kein Aas hätte lesen können und umgekehrt ist es nicht anders. Sütterlin, als Ablöser der Kurrentschrift stand auf dem Plan. Hierzu gab es Tafeln und Griffeln und ein jeder mühte sich ab, wie damals, in den ersten Schulwochen, seinen Namen auf die Tafel zu kritzeln.
Arge Verwerfungen taten sich auf, neue Identitäten wurden geschaffen… wie heiße ich? Ach so, kenn ich nicht!
Es war herrlich, die Suche nach einem o oder k und wenn man es dann auf die Tafel gebracht hatte, war es für viele, wie der erste gelaufenen Kilometer am Stück. Stöhnen und Freudengeschrei lösten sich ab.
Abkucken zwecklos und so versuchte sich Dagmar gar selbst, das große D zu finden.

Textfeld: Die 1911 von Ludwig Sütterlin entwickelte Schrift sollte die schwierige Kurrentschrift ablösen. Ab 1934 war sie für alle Schulen in Deutschland verbindlich. Die Nationalsozialisten ersetzten 1941 die als „Schwabacher Judenlettern“ diffamierte Schrift durch die Antiqua-Schrift.

 

 

 

 

www.suetterlinschrift.de/Lese/Namen_schreiben.htm

Es war ungeheuer interessant und kann nicht alles, was zu hören und zu sehen war, hier wiedergeben werden. Von der Schultüte und deren Inhalte früher und heute, von den Zwängen der Zeit und der ausufernden Freiheit der Gegenwart, von Ausbildung eines Lehrers, den Kosten des Schulbetriebes, der Eltern und des Staates und wie diese verteilt waren, vom Stellenwert des Lernens fürs Leben, als Mädchen oder als Junge, den Vor- und Nachteilen des Geschlechts und so, so viele spannende und nachdenklich machende Inhalte hatte diese Schulstunde auf dem harten Gestühl, die eine Zeit ausatmeten, wo die Freiheit zum Denken, Fühlen und Handeln stark eingeschränkt war, wie die Entwicklungschancen eines Analphabeten bei der Deutschen Bank.

Nach der Schulstunde durchwanderten wir die Räume des Schulmuseums, begleitet von den Ausführungen unseres Tageslehrers, der sehr schnell erkannte, wer es besonders nötig hatte und diese erhielten keine Fleißkärtchen, wohl aber dezent seine Telefonnummer für Nachhilfestunden in den wichtigen Dingen des Alltags. Ich darf so viel verraten, dass es die, auch am Rothenbach immer als Problemfälle auffallenden waren. Von einigen hörte ich, dass sie vorher aber noch eine 2. Meinung einholen wollen.

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Mittagessen im Hotel-Restauran Wißkirchen (Bericht von Olaf Kucher)

Birgit und Achim sowie Antje und ich kamen erst zum Mittagessen hinzu. Wir waren etwas früher da und erkundeten noch eine Viertelstunde lang die nähere Umgebung des Restaurants. Bei schönstem sonnigen Wetter war es klar, wir werden draußen sitzen. So war es auch und als wir zurück kamen, waren die anderen LLGler bereits angekommen und hatten schon zwei große Tische besetzt. Kaum saßen wir, wurden auch schon die Bestellungen aufgenommen. Die Kellnerinnen waren, sozusagen Oktoberfestmäßig, in tolle Trachtenkleider gehüllt. Birgit hatte bereits vorab unsere Essenswünsche aufgenommen und an das Restaurant gesand. Trotzdem wurde die Bestellung noch einmal aufgenommen und es passte dann doch nicht ganz, als das Essen serviert wurde. Ein Salat war zuviel, eine Forelle zuwenig, aber schließlich kam dann noch alles richtig und schmeckte auch sehr gut.
Udo bestellte sich ein einen richtigen Humpen Bier und erntete dadurch erstaunte Blicke und einige lustige Bemerkungen. An den Tischen entstanden angeregte Gespräche und dadurch verging die Mittagszeit wie im Flug. Mit Schmunzeln beobachteten wir, wie Witold, der Sohn von Franks Freundin Petra, seine ersten Fahrversuche auf einem kleinen elektrischen Autoscooter machte.

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Führung über das Klostergelände (Bericht von Olaf Kucher)

Auf dem Klostergelände erwartete uns bereits unser Domführer und gab uns eine Einführung in die Entstehung des Klosters Altenberg als Zisterzienser-Abtei im Jahre 1133 und den Aufbau des Altenberger Doms durch die Zisterzienser ab 1259. Weitere Infos dazu findet man unter anderem auf der Webseite der katholischen Pfarrgemeinde Altenberg oder bei Wikipedia.

Die Führung beschränkte sich auf das Klostergelände, die Besichtigung des Doms von außen, die Lapidarien und den Kräutergarten. In das Innere des Doms sind wir im Anschluss an die Führung selbst noch einmal gegangen. Trotzdem war die Führung sehr interssant und man erfuhr eine Menge von den Zisterziensern, die damals die einfache, bescheidene und fleißige Lebensweise wieder in den Mittelpunkt ihres Lebens stellten. Dies drückte sich auch in der Lage und dem Baustil der Abteien und Kirchen aus, die hauptsächlich in Tälern gebaut wurden. Bei den Kirchen verzichtete man auf aufwändige Verzierungen und Ornamente sowie hohe Kirchentürme mit großen Glockenspielen. Ein Mönch sollte die Glocke mit einer Hand problemlos bedienen können. Deshalb konnten die Kirchtürme als sogenannten Aufsitztürme auf dem Dach gebaut werden.
In den Lapidarien konnte man sich einmal aus der Nähe anschauen, wie mächtig die Einzelteile der großen Fenster des Doms sind. Bis 2006 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Dom abgeschlossen.
Der Kräutergarten war auch sehr interessant und man konnte so manches Kraut entdecken, was auch im heimischen Kräutergarten wächst.

Leider zertreute sich unsere Gruppe nach der Führung sehr schnell. Sicher hatten einige am späten Sonntagnachmittag noch etwas vor.
Ein schöner Abschluss des Ausflugs war für uns das gemeinsame Kaffeetrinken mit Birgit, Achim, Harry und Dierk im Restaurant auf dem Klostergelände. Dabei hatten wir noch viel Spaß und sind anschließend in guter Stimmung nach Hause gefahren.

 

Was war denn abends noch im Brauhaus "auf der Arken" in Siegburg los? (Bericht von Harry Bergold):

Da gibt es nicht viel zu erzählen, also :
Das Lokal hat eine typische Brauhausatmosphäre und man fühlt sich gleich recht wohl. Das Essen lecker, Sünnerkölsch und Wein prima, die Bedienung freundlich und schnell. Die Stimmung war locker und fröhlich und wir haben uns gut unterhalten, so dass die 2 Stündchen schnell verflogen, obwohl nur 5 LLGér den Weg zum Lokal gefunden hatten : Dagmar, Dierk, Thomas, Udo und meine Wenigkeit.
Die andern LLGér irren wohl immer noch planlos durch die Gegend und werden nie erfahren was sich an diesem denkwürdigen Abend sonst noch alles ereignet hat. Ätsch !!

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Aufbereitung Bericht für LLG-HP: Antje + Olaf Kucher