Berichte von unserem Vereinsausflug zum Kölner Dom am 17.9.2005

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Birgits Bericht:

Samstag, 17. September, schönstes Wetter. Um 12 Uhr machte ich mich mit dem Rad auf in Richtung Köln. Über Altenrath, um den Flughafen, durch Porz zum Rhein und dann am Rhein entlang bis Köln-Deutz. Es wurde Herbst, denn die Luft war doch recht frisch. In Deutz holte ich für Udo und mich noch Karten für die IFMA, wo wir am nächsten Tag hin wollten. Dann über die Eisenbahnbrücke zum Kölner Dom. Chaos: Autofahrmässig ging gar nichts, überall grölende Fußballfans und viel, viel Betrieb. Nee, das war nicht meine Welt, da liebe ich doch die etwas ruhigere Stadt Siegburg. Ich freute mich jetzt schon auf die Stille unterm Dom. Langsam trudelten die anderen ein. Wir "Gruftis" durften etwas früher als die "Bergsteiger" los. Ein kurzer Weg durch den Dom und dann eine Treppe runter. Hier unten war es hell, also Taschenlampe umsonst mitgenommen. Und ruhig war es auch nicht, denn durch die Lüftungsschächte hörte man das Getrampel der Dombesucher. Unserer Führer war ein Archäologe und dementsprechend war das Anspruchsniveau sehr hoch. Die Geschichte der verschiedenen Dombauten wurde uns erklärt und an falschen Bildern erklärt. Anhand von Modellen wussten wir, wo wir uns wann befanden. Leider fehlte in einigen Bereichen das Grundwissen, um sich alles vorstellen zu können und den Erläuterungen zu folgen.
Kurz nach vier Uhr waren wir wieder draußen. In einer sonnigen Ecke warteten, die meisten froh endlich mal wieder sitzen zu können, wir auf die anderen, die dann auch rund eine halbe Stunde später erschienen.
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Udos Bericht:

Der diesjährige Vereinsausflug ist gelaufen. Konrad Waßmann bereitete vor und organisierte in der ihm eigenen, höchst zuverlässigen Art, einen Besuch in Köln, um der größten deutschen Kirche aufs Dach zu steigen oder auf die Wurzeln zu schauen. Zur Dachinspektion traten 17 an. Den Weg nach unten, Grabung genannt, nahmen 15 in Angriff. Da ich schon immer hoch hinaus wollte, kam nur das Dach der Kölner Welt in Frage. Das vorherrschende schlechte Wetter nahm für die Dauer unserer Inspektionsreise eine Auszeit und verwöhnte mit wärmenden Strahlen, die von den Bleidächern noch verstärkt abgegeben wurden. Wenn es windet und regnet, wie in den Stunden zuvor, ist so ein Besuch in 45 75 m Höhe vielleicht gar nicht so lustig, wie wir es durch die Bank empfunden haben.


Die Gruppe war guten Mutes und wurde von einem jungen Mann auf der Domplatte in Empfang genommen. Konrad wollte vorab den vereinbarten Tarif entrichten - man weiß ja nie, aber der junge Mann lehnte ab, kannte uns halt nicht. Alle versicherten sich noch mal mit hartem erstarrten Blick schwindelfrei zu sein. Aus den Gesicherten verschwand jegliche Unsicherheit und wurde gegen Falten der ernsten inneren Ruhe ausgetauscht. Durch einen dunklen Holzverschlag arbeitete sich die Gruppe vor. Die Unverzagtesten vorneweg. Hinter Wolfgang Menzel und Herbert Bergold reihten wir uns ein und standen plötzlich vor einem Drahtkäfig. Der Blick richtete sich nach oben und mit den Köpfen im Nacken hörten wir die Schlüssel des Führers, den wir dann aber nicht mehr so nannten, klappern. Wer schon mal einen Stollen besichtigen durfte wusste was kam. Schiebetüren, Metall, rappeln, scheppern - Uschi Weitermann suchte sofort männlichen Schutz auf und der war ja, Gott sei Dank, reichlich vertreten. Gleichwohl in 45 m Höhe ist nicht jeder Mann mehr ein Mann und die Frage von Herbert Grönemeyer war nicht mehr zweifelsfrei zu beantworten. Auf jeden Fall kam die Liedzeile, das Männer heimlich weinen, sofort wieder einigen in den Sinn.


Wir schraubten uns in dem Käfig auf bisher unbekannte Aussichten auf die Vorplätze des Domes, der Bahnhof wurde in seinen Ausmaßen etwas konkreter und das grüne Band vom Vater Rhein auf Kilometer sichtbar. In 45 m Höhe ließ der Käfig die 15 und einen Anführer frei. Die Sonne schien auch da oben und ein zarter Wind umspielte die Sorgenfalten in den Gesichtern. Bevor allerdings Ängstlichkeiten aufkommen konnten, begann der Anführer mit umfangreichen Erläuterungen und Erklärungen und bemühte, wen wundert's, die Historie bis gegen 800 n.Chr., als auf dem Boden des heutigen Doms bereits die erste Kirche entstand. Wir durcheilten die verschiedenen Dombauphasen von 1248 an, machten kurz Halt bei der Schlacht von Worringen und die verschiedenen kölschen Klüngel und Emanzipationsbestrebungen, die bis heute nicht von der Hand zu weisen sind (Messebau). Derweil wir bereits unter dem bebleiten Dach angekommen waren und unter der gusseisernen Innenkonstruktion standen und uns so den Dom kaum vorgestellt hatten. Die hohe Kuppelhalle und der Innenraum sind wohl jedem bekannt, aber wie es darüber aussieht eher nicht. Wir sollten es sehen.


Selbst dort oben hat die Dombauhütte eine wichtige Filiale, wo Werkzeuge und Maschinen lagern und Arbeiten erledigt werden. Interessant war, dass alles was auf und an dem Dom zu sehen ist oder angebracht wird von innen hochgezogen und dann weitergeschoben wird. Eigentlich geht es ja auch gar nicht anders. Die dafür erforderlichen Zeiten sind im Verhältnis so lang wie der Dom alt ist. Auch wenn er ja eigentlich erst in der Mitte des 19. Jhdt., nach etlichen 100 Jahren Baukranidylle, durch Preußens wieder in Angriff genommen wurde, hat er doch seit der Grundsteinlegung in 1248 schon etliches gesehen. Maschineneinsatz in der Vergangenheit, Dampf und seine positiven Folgen, machten auf Dierk mächtig Eindruck, denn er konnte sich gut an die Zeit der Erfindung der Dampftechnik erinnern. Dann marschierten wir in ein Hochregallager und das machte uneingeschränkte Begeisterung, denn es passte sich in seiner schlichten Art so ganz harmonisch der Umgebung an. Von Dom pur umgeben, die Geschichte ausatmend, stehen wir wie vor einer Legebatterie oder Käfighaltung für Histörchen. Über 1000 Exponate, meist aus Gips, liegen sich dort einen Wolf und warten auf Expertise, wie wichtig und wertvoll sie denn wären. Zwei aus der Gruppe, dessen Namen hier unerwähnt bleiben sollten, zeigten Interesse an dieser Form der Lagerung über den Tag hinaus. Okay, man hat auf jeden Fall mehr Besuch.


1 Stunde war herum und es kam etwas Unruhe auf und der Anführer schickte uns nach draußen zum Spielen. Außerhalb der schützenden Räume ging es auf einem engen Weg zur Beruhigung aller voran. Linke Hand das schräge aber warme Bleidach, rechte Hand die Dachkantenverzierungen, die man auch Blumen nennt und darunter das gähnende Nichts. Kribbeln in den Füßen und anderenorts machte sich breit und ließ Demut aufkommen. Von unten schallte Musik und lautes Stimmengewirr nach oben. Hoffentlich kommt jetzt kein Gegenverkehr dachten einige laut, denn es herrschte reges Treiben über dem Dach von Köln. Zeitweilig waren 5 Gruppen unterwegs. An ausgesuchten Stellen blieben wir stehen, weil es etwas zu erzählen gab und es sah so aus, als ob einige wichtig andächtig lauschten, aber vielleicht war es auch nur die im Hals langsam aufsteigende Panik, die zur Ruhe ermunterte. So erfuhren wir, dass die fehlenden Teile durch schwebende Verfahren entfernt worden sind. Ein Job für Konrad, denn schon von Kindesbeinen an, hat er sich oberhalb des normalen Geschehens aufgehalten und viel Furcht hat er wenig bis gar nicht. Der Blick ging auf die Aussichtsplattform des linken Domturmes und auf die darüber aufragenden Sprossen, die bis zur Spitze reichten. Während einige beim darüber reden schon herzattackenreife Augenaufschläge boten, betonte Konrad, auch diesen Weg nach oben anzutreten, wenn er nur die Gelegenheit dazu hätte. Auch die gigantischen abgehangenen Außengerüste erregten sein Aufsehen und selbst der Anführer hörte Konrads Absichten andächtig zu. Während unseres Ausflugs nach draußen zuckten die Kameras wie wild und nichts blieb verborgen. Antje und Olaf, Dierk, Gerd und Klaus dokumentierten was der Speicher hergab.


Aber, wenn es am Schönsten ist...so gingen wir wieder unters schützende Dach und lauschten weiteren Erklärungen, die einem die Tragweite dessen, was dort durch den Architekten Ernst Friedrich Zwirner (einem Schüler Schinkels) und dem Leiter des Weiterbaus des Kölner Doms unter Preußens Glorie entstanden ist. Kurz bevor es zu technisch wurde bekam unser Anführer die Kurve und wir kletterten über eiserne und steinerne Treppen 45 m in die Höhe. Nach ca. 20 m zeigte sich der überschaubare Trainingszustand bei einigen Athleten und nur weil von hinten gedrängt und geschoben wurde kamen sie auch oben in 75 m Höhe an. Das niedliche, weithin sichtbare Aussichtstürmchen, ganz für uns allein, legte uns Köln und das Umland zu Füßen. Jeder packte jetzt seine Heimatkundekenntnisse aus und erzählte und beschrieb, wo denn was zu sehen oder zu suchen ist. Die Sonne war weiterhin auf unserer Seite und der Wind hielt sich zurück. Es war erneut die Stunde der Digicams, die alles gaben und nahmen was ging. Hier endete zwar der Ausflug, aber zurück ging es auf dem gleichen Weg und der Rappelkastenaufzug brachte uns sicher auf Kölner Boden zurück. Udo
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